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~ Silke Bicker ~ Der Deutsche Naturschutztag findet in jedem geraden Jahr statt und dauert eine Woche. Die Tagung ist gespickt mit Vorträgen, Exkursionen und Treffen von Arbeitsgruppen. Wie der Name bereits sagt, dreht sich alles um Naturschutz und dieses Thema wird aus verschiedenen Blickwinkeln zu einem Motto beleuchtet.
Beim letzten Naturschutztag nahm ich teil und besuchte neben einer Exkursion die Fachveranstaltung „Nachhaltigkeit“. Sie können die Inhalte unter dem Link http://deutscher-naturschutztag.de/13675.html finden.

Meine komprimierten Erkenntnisse

Der Wert einer Region wird oft erkannt, aber es fehlen weitgehend Solidarität und Eigenverantwortlichkeit unter den Naturschützern. Dadurch ergeben sich erhebliche Defizite im vernetzten Denken. Letzteres besteht weder beim Verbraucher im Sinne des Naturschutzes und auch nicht bei Naturschützern:

  • wie verhält sich Landwirtschaft zu Naturschutz? Vielerorts wird beispielsweise die konventionelle Landwirtschaft verteufelt gegenüber der Arbeitsweise der Biohöfe. Maismonokulturen für Biogas verschandeln vielerorts die Kulturlandschaften und mittlerweile sogar etliche Tourismusgebiete. Der Tourismus wiederum kontert mit mehr Einrichtungen á lá Centerparc und findet so auch Kunden. Wollen wir das?
  • Tourismus ist vom Naturschutz bis zu einem gewissen Grad abhängig und der Naturschutz wiederum vom nachhaltigen Tourismus. Naturschützer müssen mehr und überhaupt auf Touristiker zugehen, denn Kulturlandschaften sind ein wichtiger Bestandteil für Erholungssuchende. Nur in einer für uns „schönen“ Gegend erholen wir uns.
  • Altes Handwerk und Brauchtum gehören zum Naturschutz wie der Kopf auf den Hals: denken wir nur an den Erhalt von Kopfweiden :-). Mit ihnen hängen u. a. geflochtene Körbe, Flechtzäune und Fachwerkhäuser zusammen.
  • Selbst Medizin hängt zu einem Teil von der Landschaft ab: nicht nur der Kräuterkunde wegen.
  • Nicht der Klimawandel ist das Problem, sondern der Erhalt und die Entwicklung der Artenvielfalt. Bürger und Naturschützer nervt der Hype um den Klimawandel und das Fallenlassen vieler wichtigerer Aspekte des Naturschutzes. Dies kam bei mehreren Vorträgen heraus, auch in den anschließenden Diskussionen.

Fakt ist: Ca. 70 % der Arten werden durch die Nutzung der Kulturlandschaften geschützt. Nicht durch Anbau von Monokulturen, sei es für die Fütterung von Biogasanlagen, Weihnachtsbäume zu kultivieren oder andere Zwecke. Die „Gier-frisst-Hirn-Mentalität“ nützt nichts.

Wernigerode und die Bachforelle

Es wurden aber auch gute Beispiele genannt! Die Stadt Wernigerode hat das Glück mit Peter Gaffert einen Naturschützer zum Bürgermeister gewählt zu haben. Zu DDR-Zeiten war die Natur im Harz unter anderem gebeutelt von Chemieabwässern, Bächen ohne Fische und der Grenzanlage auf dem Brocken. Seit einigen Jahren sieht das Bild in der Stadt und im Umland deutlich anders aus. Das Wappentier der Stadt ist die Bachforelle. An ihr orientiert sich die Kampagne „Mehrwehrt für Tourismus und zufriedene Bürger“: Schöne Landschaft durch die Renaturierung von Bächen und Flüssen sowie Installation von Fischtreppen. Wernigerode hat ca. 2400 Tagestouristen und ist  Mitglied im Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt.

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