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~ Silke Bicker ~ Die Sedimente der Eifelmaare sind der einzige Ort in Mitteleuropa der die letzten 40.000 Jahre vollständig dokumentiert und bis heute genau rekonstruiert. Es zeichnet sich ab, dass in den Jahren schwacher Sonnenintensität die Sommer feuchtkalt sind und die Landwirtschaft stark leidet.
Geschieht so etwas mehrere Jahre nacheinander folgen Hunger, Auswanderung, Kriege und Seuchen. Dieses Muster lässt sich vom Neolithikum bis zur Kleinen Eiszeit verfolgen. 23 Autoren (u. a. Geowissenschaftler, Physiker, Meteorologen, Archäologen) stellten Zeitreihen von naturwissenschaftlichen Prozessen und archäologisch erfassten gesellschaftlichen Krisen nebeneinander, um zu prüfen ob es in Bezug des Einflusses von Wetter und Klima auf die Menschheitsentwicklung zeitliche Übereinstimmungen gab. Die Gegenüberstellung der Daten zeigt auf, dass Sonneneinstrahlung, Niederschlag, Vegetation und Bodennutzung die entscheidenden Größen für Umwelt und Kulturen waren. Nach Auffassung der Autoren ist nicht das Klima bisher eine Bedrohung gewesen, sondern der daraus entstehende Mangel an Nahrungsmitteln. Deren Verfügbarkeit ist viel wichtiger als herrschende Temperaturen. Dazu kommt die Feststellung, dass viele Krisen auf wirtschaftliche und kulturelle Hochzeiten folgten, die nicht immer aus klimatischen Veränderungen resultierten. So erfolgte die Blütezeit des römischen Imperiums infolge der Vernichtung der keltischen Kultur während einer klimatisch begünstigten Phase. Eingegangen wird am Schluss auf bereits bestehende Computersimulationen bezüglich des CO2 Ausstoßes und dessen Konsequenzen, wenn jetzt nichts dagegen getan wird. Sollte Grönlands Eisschild schmelzen würde als Folge dieser Erwärmung eine längere Abkühlungsphase durch das den Golfstrom beeinflussende Schmelzwasser entstehen. Dies wäre für die Landwirtschaft in Mitteleuropa verheerend. Die Studie wird von vielen nützlichen Abbildungen unterstützt, u. a. durch Diagramme, Modelle und Ausgrabungsfunde. Der Leser wird durch die einzelnen Kapitel, angefangen von der Geologie der Maare über Sedimentdatierungen bis zu Ursachen vergangener Klimavariabilität und archäologischer Grabungen geführt. Der Titel vermittelt auf hochinteressante Weise historische und geowissenschaftliche Fakten und zeigt wie wichtig interdisziplinärer Austausch ist.

SIROCKO, Frank (Hg.) (2009): Wetter, Klima, Menschheitsentwicklung von der Eiszeit bis ins 21. Jahrhundert, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, Theiss Verlag, Stuttgart; ISBN: 3-8062-2268-5, ca. 39,95

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