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~ Silke Bicker ~ Streuobstwiesen haben Tradition und sind in den letzten Jahren immer weniger geworden. Wo sie noch existieren, beleben sie ihr Umfeld, sorgen unweigerlich für ein harmonisches, friedliches Gefühl mit hohem Erholungswert. Sie bergen auch viel Arbeit für den pflegenden Besitzer und gleichzeitig sieht dieser spätestens im Sommer seinen Lohn. Die beiden Autoren Zehnder und Weller haben sowohl für Bauern und Baumschulgärtner als auch für Laien ein lesenswertes Buch geschrieben. Die Kapitel behandeln nacheinander die Tradition der verstreuten Obstbäume auf Wiesen über den Obstanbau zur Hebung des allgemeinen Wohlstandes und die Erholungslandschaften inklusive Mythologien bis zum vielfältigen Lebensraum. Gesundheit und Ernährung spielt in jedem Kapitel mit hinein. So vor allem im zweiten Teil des Titels in dem es um Landschaft, die schmeckt und ihre Erhaltung durch die richtige Pflege und das Erlernen des traditionellen Handwerks in den Obstwiesen geht bis zum modernen Urlaub unter den Streuobstbäumen. Nicht zuletzt kommen auch alte und neue Obstsorten zur Sprache, denn jede Fruchtart hat ihren Standort. Tabellen zeigen die Besonderheiten jeder Obstart auf, zum Beispiel wie die Beschaffenheit des Bodens sein sollte, das lokale Kleinklima oder wofür die Früchte am besten geeignet sind.

Zahlreiche Fotos unterlegen das Geschriebene und lockern die Fachtexte auf. Streuobstwiesen sorgen für fruchtige Desserts, sommerliche Gerichte, Naschen vom Baum, Holz für Öfen und Beizen. Und sie dienen als Schatten für das darunter grasende Vieh, das sich zur Erntezeit gerne auch als Naschkatzen outet. Dazu sorgt eine mehrschürige extensive Mahd für höhere Artenvielfalt der unter den Bäumen wachsenden Gräser und Kräuter. So profitiert auch das Vieh wiederum vom schmackhafteren und gesundem Heu. Und Menschen pflücken gerne Wildblumensträuße, genießen im Hochsommer den Schatten oder klettern gar selbst in die Obstbäume… Zahlreiche Möglichkeiten ergeben sich in Streuobstwiesen zum Arbeiten, Gesunden und Ernähren und zur eigenen Freude! Auch Rezepte und Tipps zum Mosten, Dörren und Destillieren fehlen nicht.

Der Verlag setzte die Texte sehr anschaulich und ansprechend um. So werden spezielle Hinweise hellgrün unterlegt, Zitate kommen an den Seiten zur Anwendung und Marginalien zeigen auf einen Blick zusätzlich zu den Überschriften was wo direkt zu finden ist. So findet sich nicht nur der Laie schnell zurecht sondern auch der Profi sieht zügig das Gesuchte. Die Sprache ist allgemein verständlich und auch relativ locker geschrieben. Immer wieder wird das Althergebrachte mit hinein geschmuggelt und erlaubt so tiefe Blicke in das Leben der Bauern vor der Industrialisierung ohne aufdringlich zu werden.

Es bereitet Freude, das fast DIN-A-4 große Buch zur Hand zu nehmen, durchzublättern und darin zu schmökern oder eben schnell etwas nachzuschlagen.

ZEHNDER, M.; WELLER, F. (2011): Streuobstbau, Obstwiesen erleben und pflegen, 2. Auflage, Ulmer Verlag, Stuttgart, ISBN:3-8001-7601-4

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