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Terra Preta oekom~ Silke Bicker ~ Eine kleine Zeichnung gleich beim Aufschlagen im Klappentext zeigt, dass Holzkohlepulver, Wasser, Mikroorganismen und Küchenabfälle vermischt Terra Preta ergeben. Ist es wirklich so einfach?
„Wir haben es in der Hand, wie lange der uns anvertraute Boden fruchtbar bleibt. Mit Terra Preta können wir moderne Gartenparadiese schaffen, in den wir weltweit besser leben können (…)“ steht darunter. Etwas anmaßend teilweise, denn die Erde ist uns nicht anvertraut worden – wir Menschen sind Teil des Lebensgefüges dieses Planeten. Und ob Terra Preta ein Allheilmittel ist? Mit solchen Voraussagen tue ich mich zugegebenermaßen schwer, die Skeptikerin in mir ist prompt geweckt 😉

Die Autoren unterteilen das Buch in zwei Teile ein: Grundlagen und Handbuch. Der erste enthält bereits die ersten beiden Kapitel „Die Irrtümer der fossilen Landwirtschaft“ und „Kulturen brauchen fruchtbaren Boden – das Geheimnis des schwarzen Goldes“. Hierin wird auf die industrielle Agrarwirtschaft und unter anderem ihren Abtrag von Humus eingegangen. Hochkulturen hatten offenbar in früheren Zeiten immer auch Gartenstädte, um einen Überschuss an Nahrung zu produzieren. So wie die alten Azteken, Mayas und Inkas größtenteils in von Regenwald besetzten Gebieten lebten, wo die kaum vorhandene Humusschicht für die Landwirtschaft zu dünn war. Mit der Erfindung der Terra Preta nutzen sie den Gartenbau intensiv in ihren Städten. Im Handbuch folgen die weiteren Kapitel von „Klimagärtnern: Grundprinzipien und Grundstoffe“, über „Alte und neue Sanitärsysteme“ bis zu „Resümee und Ausblick“. Auf einigen Seiten werden Geschichten und Projekte in der Welt vorgestellt.

Insgesamt ist das Buch sowohl unterhaltsam als auch mit praktisch anwendbaren Tipps angelegt. Der Leser erfährt viel über die Entstehung von Terra Preta in der Vergangenheit und erhält für den eigenen Mini- oder Großgarten Anleitungen sie selbst zu produzieren. Mittendrin finden sich blau unterlegt die vorgestellten Projekte in den Kapiteln wieder. Ansprechende Fotos und Abbildungen untermalen den in relativ großer Schrift anderthalb zeilig angesetzten Text.

Dieser weist immer mal wieder geschichtliche Unstimmigkeiten auf, manche sind haarsträubend:
Am Anfang werden auch die Anasazi-Indianer zu den Regenwaldvölkern gezählt, allerdings lebte dieses Volk in den damals deutlich fruchtbareren Gebieten der heute trockenen US-Staaten Utah, Nevada und Arizona. Dürren, die das Land zur Steppe und Wüste werden ließen, kamen erst im 13. Jh. n. Chr. auf.
So wird zum Beispiel in einigen Texten Permakultur mit Terra-Preta-Herstellung gleichgesetzt. Und die „weltabgewandte, deutsche Romantikbewegung“ wird als deutliche Kontrapunkt zur weltoffenen Facebook-Gesellschaft genannt. Zwischen Novalis und Facebook liegen nicht nur Welten sondern über 200 Jahre!
Dergleichen begegnet dem aufmerksamen Leser des Öfteren und lädt zum Stutzen und manchmal auch Ärgern ein.

SCHEUB, Ute; PIEPLOW, Haiko; SCHMIDT, Hans-Peter (2013): Terra Preta, die schwarze Revolution aus dem Regenwald, mit Klimagärtnern die Welt retten und gesunde Lebensmittel produzieren, Oekom Verlag, München, ca. 19,95 Euro

Mein persönliches Fazit:
Manche Kapitel stiften Verwirrung, weil die Fokussierung auf das Eigentliche – die Terra Preta – fehlt und bei geschichtlichen Themen, sei es zum Beispiel Literaturkunde oder Völker betreffend, offenkundig schlecht recherchiert wurde.
Der Schreibstil ist nicht einheitlich, dafür ist allerdings der Verlag zuständig und nicht die Autoren. Beide Faktoren sorgten für ein unrundes und teilweise ärgerliches Leseerlebnis.
Meine Skepsis dem Buch gegenüber ist geblieben, das Interesse an Terra Preta noch vorhanden.

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