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~ Naemi Reymann ~ Ada Lovelace (1815 –1852) gilt als Pionierin der Programmierung, denn sie schrieb 1843 entscheidende Anmerkungen für eine Übersetzung eines Programms einer Maschine von Charles Babbage, die Informationen verarbeitete.

Ada Lovelace wurde als Tochter des Dichters Lord Byron und seiner Frau Lady Anne Isabella Milbanke geboren und befasste sich schon als junge Frau mit Mathematik und Naturwissenschaften. In den 1830er Jahren bekam Lovelace Zugang zu Treffen führender Gelehrten bei Charles Babbage, darunter ihrem späteren Mathematiklehrer Augustus De Morgan, dem Physiker Michael Faraday wie auch der Mathematikerin Mary Somerville, die zu ihrer Mentorin und Förderin wurde.

Charles Babbage hatte die »Analytical Engine«, eine Rechenmaschine entworfen, 1843 verfasste Lovelace umfassende Beschreibungen zu dieser Maschine, die umfassendes Verständnis dieses Algorithmus der Bernoulli-Zahlen und ihrer Möglichkeiten voraussetzte. Zu dieser Zeit gab es noch keine Computer/Maschinen dieser Art, auch wurde Babbages Erfindung nie gebaut (sie existierte nur auf dem als Papier, aus Text und einem Diagramm). Umso erstaunlicher ihre Leistung, da im 19. Jahrhundert Frauen kein Zutritt zu Bibliotheken und Bildungseinrichtungen gewährt wurde (möglicherweise kam der Umstand, daß sie in England und adeligen Umfeld aufwuchs entgegen).

Das  Buch »Ada Lovelace – Die Pionierin der Computertechnik und ihre Nachfolgerinnen« setzt sich mit Lovelaces Rolle in der Programmierung sowie auch ihrer Stilsierung zur Ikone auseinander.

Fern gehalten von Bibliotheken und Universtätsausbildung setzt sich Lovelace intensiv mit Naturwssenschaften, Musik und Mathematik auseinander, angetrieben durch ihre mathematisch gebildete Mutter (die quasi einen Gegenpol zum Dichtervater Byron bildetet). Lovelace heiratet und bekommt drei Kinder und erfindet trotz zahlreicher Krankheiten, die sie zeitlebens plagten, von Dampfmaschinen angetriebene Flugapparate. Siel lebt rauschhaft, in dem sie sich Spiel, Wetten und Drogen hingibt und arbeitet akribisch und besessen, so übersetzt und kommentiert sie mit zahlreichen erklärende Anhängen so umfangreich das erste Computerprogramm, daß sie durch diese Interpretationen als Pionierin der Computergeschichte gilt.

Die Herausgeberin Sybille Krämer schreibt in ihrer Einleitung über Lovelace: »Wiederentdeckt in der zeitgenössischen genderorientierten Rekonstruktion der Technik- und Computergeschichte, verstärkt durch den gegenwärtig fühlbaren Mangel an Frauen in der Informatik, wächste der Gestalt von Ada Lovelace eine weibliche Vorbildfunktion zu. Sie wird zur Ikone, fast zum Mythos und bleibt gelichwohl umstritten. Um all dies zusammen zu fassen: Ada Lovelace: das ist die Ambivalenz als Existenz.«

Das handliche Buch besteht aus drei Teilen:

1.Teil: Ada Lovelace als Akteurin, Programmiererin und Ikone

Doreen Hartmann widmet sich den Grundzügen ihres Werks im Spannungsfeld zwischen Mathematik und Musik, Kalkül und Poesie und den Kontroversen, welche den Umstand auslöste, daß Lovelace in einer zeitgenössischen Studie das schöpferische Potenzial abgesprochen wird. Annette Pohlke beschreibt ihre Mentorin, die Mathematikerin Mary Somerville. Bernhard J. Dotzler beleuchtet den intensiven Briefwechsel zwischen Babbage und Lovelace. Jens Schröter beleuchtet ihre Person und das Universalmedium Computer, Sibylle Krämer »Programmieren« und warum Locelace als »erste Programmiererin« gilt. Marie Luise Angerer untersucht ihre Mythenbildung, unter anderem anhand Lynn Hershmans Film »Conceiving Ada« (im Umfeld des Cyberfeminismus).

2.Teil: Rechnende Frauen, Gender und die Digitalisierung

Janet Abbate erzählt die Geschichte rechnender Frauen im zweiten Weltkrieg, die durch eigenständige wie monotone Arbeiten im Bereich der Datenverarbeitung die Wissenschaft unterstützten (beispielsweise das Team aus sechs Frauen, das 1943 in den USA ENIAC programmierte, die Colossos Computer in Bletchley Park/England, die zur Entschlüsselung dienten und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Softwareexpertinnen Grace Murray Hopper und Mary Allen Wilkes). Tanja Paulitz beleuchtet die symbolische Exklusion von Frauen aus der Wissenschaft anhand des Fallbeispiels der Mathematikerin Eleanor A. Lamson, deren Arbeit als Co-Autorin im abschließenden Forschungsbericht zu einer wichtigen geophysikalischen Expedition nicht erwähnt wird. Heidi Schelhowe zeigt die lange eindimensionale Verknüpfung der Rationalität des Computers mit Mathematik und mannlich konnotiertem Ingenierwesen, das jetzt erst allmählich zu weichen beginnt.

3. Teil: Allgemeine Tendenzen zeitgenössischer Digitalisierung

Alle Autorinnen in diesem Teil haben wichtige Innovationen in der Informations- und Medienwissenschaft auf den Weg gebracht: Christiane Floyd erhielt 1978 die erste Professur für Softwaretechnik und war damit die erste Frau mit einer Informatikprofessur in Deutschland. Ihr Ansatz (orientiert an Ergonomie, Partizipation und Kooperation) war in ihrem Umfeld damals einmalig. Sie beschreibt, in welcher Weise weibliche Dissertationsprojekte ihren eigenen Ansatz fortgebildet haben und die Idee einer »Softwaretchnik im Kontext«, die sie bei allen Projekten beobachtet. Nadine Magnenat-Thalmann arbeitet im Bereich der Computergrafik, virtueller Humanoiden der Körper- und Gefühlssimulation und beschreibt Entwicklungstendenzen zeitgenössischer Robotik bis zur humanoider Roboter-Mensch-Interaktion (Stichwort beispielsweise »Pflegeroboter«), unter anderem am Beispiel des humanoiden Roboters NADINE. Anja Richert untersucht in ihrem Beitrag das Thema »Big Data«, der Debatte, welche Einfluss diese Technologie auf Methoden in der Geistes- und Sozialwissenschaften haben wird, neue Forschungsweisen, die sich abzeichnen und tradionelle Wissenschaftarbeit ergänzt und als weitere Anwndung das »quantified self«, Selbstvermessung und Vernetzung bilogischer Systeme mit Augmented Reality-Umgebungen. Sabina Jeschke befast sich mit kybernetischen Wissenschaftsparadigmen als Entwicklungsstufen künstlicher Intelligenz (sogenannter »Cyber Physikal Systems«, die nicht mehr lokal an einem Ort, sondern weltweit verteilt sien können und hochgradig varibale und dynamisch sein können. Ein Thema der vierten industriellen Revolution, der 4.0 Ära, in dem Steuerungsprozesse dezentralisiert sind. Yvonne Spielmann analysiert Beispiele digitaler Medienkunst von Frauen mit kritischem Blick gegenüber der weltweiten Vernetzung von Technologien, auf der Suche nach alternativen Modellen der gesamten Wahrnehmung und Teilhabe mittels Computerprogrammen: Steina Vasulka, Gina Czar-necki und Seiko Mikami.

Das Buch eröffnet einen Blick in die aktuellen Forschungen und Themen, es wirft Fragen auf und macht neugierig, sich tiefer mit den verschiedenen Feldern zu befassen. Die einzelnen Beiträge bieten allein schon durch ihre umfassenden Anmerkungen reichlich Wissensmaterial. Es schließt mit einer Bibliografie über Ada Lovelace und ihr Umfeld von Katharina Kausch und Informationen über die Autorinnen und Autoren ab.

Kleiner Wehmutstropfen: Wünschenswert hätte ich ein kurzes Glossar gefunden, noch mehr allerdings vermisse ich allerdings ein Stichwortverzeichnis zum Nachschlagen der verschiedenen Techniken, Namen, Entwicklungen, denn dieses diese Buch bietet eine Fülle an Informationen, die bei der wissenschaftliche Betrachtung über Ada Lovelace und ihren Nachfolgerinnen bietet. Vielleicht bildet diese längst fällige Publikation auch die Grundlage für ein noch zu schaffendes aktuelles Nachschlage-Informationswerk? Auf jeden Fall ist es ein wichtiger Baustein, die Rolle von Frauen in der Computertechnik zu korrigieren und und um wichtige Aspekte zu erweitern!

* KRÄMER, Sybille (Hrsg.): »Ada Lovelace – Die Pionierin der Computertechnik und ihre Nachfolgerinnen«. Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2015, ISBN 978-3-7705-5986-2

221 Seiten, 13 Grafiken, 10 s/w Abb., kart.

~ Beim Fink-Verlag ansehen

 

Die Ausstellung »Am Anfang war Ada« im HNF

Bereits seit September läuft im Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn die sehenswerte Ausstellung »Am Anfang war Ada – Frauen in der Computergeschichte«:

Der 200. Geburtstag von Ada Lovelace am 10.12.1815 gibt den Rahmen für diese Ausstellung, sie präsentiert nicht nur Lovelace, sondern auch weitere weibliche Persönlichkeiten der Informationstechnik, zeigt aber auch die Rolle »Rechnender Frauen« in der Nachkriegsära der einsetzenden Computertechnik und die Rolle von Frauen in der Wissenschaftswelt und stellt wichtige Forscherinnen zeitgenössischen Computerwissenschaft aus Bereichen wie Robotik, Verteilte Intelligenz und Big Data dar. Ein Bereich der Ausstellung widmet sich Software-Pionierinnen wie der Mathematikerin Grace Hopper, der Programmiererin Mary Allen Wilkes, der Informatikerin Adele Goldberg aber auch Zeitgenössinen wie Christiane Floyd (Roboter NADINE), Nadia Magnenat-Thalmann und Limor Fried (»ladyada«). Dazu der Zeitenblick »Frauenleben von 1800-2015«.

Ein umfassendes Programm an Führungen, Workshops, Vorträgen udn Diskussionen rundet die Ausstellung ab. Die Ausstellung ist geöffnet bis zum 10. Juli 2016. Weitere Informatione auf der Webseite des HNF und bei Facebook.

 

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